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Diese Seite wird mit den Bereichen Werbung, Herstellung und Vertrieb / Strukturveränderungen 1969/1970 / Strukturveränderungen 1975/1976 und einer Zusammenfassung gestaltet.

MODELLBOGEN

 

4. Probleme Werbung, Herstellung und Vertrieb

Werbung

In allen ausgewerteten Dokumenten zum Thema Modellbogen zieht sich wie ein roter Faden, die permanente Nennung von Problemen bei der Akquirierung von Partnern für die Bewerbung der Modellbogen. Daraus resultierte letztendlich der Umstand, dass viele Modellbogen auf den Umschlagseiten bzw. mit beigelegten Seiten mit Werbung in eigener Sache gestaltet wurden. Bekannt sind die Texte mit „Hier spricht Kranich“ oder „Hier spricht Pinguin“. Selbst die Redaktion der Kinderzeitschrift „Fröhlich sein und singen“ tat sich mit diesem Thema schwer. Von der DEWAG erst gar nicht zu sprechen.

Zu beachten war! Dieser Tätigkeitsbereich lag in der Hauptverantwortung des jeweiligen verantwortlichen Redakteurs. Diese waren anfänglich Werner Zorn und Klaus Friedrich. Danach engagierte sich Gerhard Kunter. Mit den von Jürgen Kieser entworfenen Logos, wäre eine gezielte optische Werbung und ihre Wahrnehmung sehr gut möglich gewesen.

Die von Jürgen Kieser geschaffenen Logos

KMBPAB

 

Stellung und Entwicklung von Nachauflagen

Mit Beginn der Publikation von Modell- und Ausschneidebogen, entwickelt sich natürlich auch ein Bedarf an Nachfrage bei den Interessierten. Dies ist ein normaler Prozess in der Verkaufspsychologie. Anfänglich spielte das Thema Nachauflagen keine bzw. eine untergeordnete Rolle. Warum eigentlich??? Mit einem verbesserten Angebot und einer größeren Typenauswahl, stieg die Nachfrage nach Nachauflagen rasant an. Der polnische Verlag Maly-MODELLARZ hatte es verstanden, mit einer guten Kalkulation von Nachauflagen keine zu großen Lücken im Bedarf entstehen zu lassen. Damit erreichte der polnische Verlag bei der Entwicklung, Herstellung und dem Verkauf von Modellbogen eine bessere Kontinuität in diesem Sektor, als es bei den Modellbogen des Verlages „Junge Welt“ der Fall war. Die anfängliche Orientierung, monatlich ein Modellbogen herauszubringen, war ein lobenswertes Ziel, aber in der Praxis nicht zu realisieren. Hier hätte mehr Objektivität in der Betrachtung der Gesamtsituation gut getan.

Nach Kenntnis der vorhandenen Unterlagen im Bundesarchiv vertrete ich den Standpunkt, dass ein ausgewogeneres Verhältnis von Planung bei Neuerscheinungen und die Kalkulation von Nachauflagen, ein entspannteres Verhältnis in der Arbeit mit Nachauflagen zur Folge gehabt hätte. Eine stabilere Situation in der Produktionsvorbereitung und Herstellung wären die Folgen gewesen, verbunden mit positiven Effekten für die wachsende Nachfrage. Die Schwankungen in den Stückzahlen bei den Kranich-Modellbögen und den Pinguin-Ausschneidebögen können in den Katalogübersichten und den dazu genannten statistischen Zahlen nachvollzogen werden.

 

Herstellung

In diesen Komplex soll nicht unerwähnt bleiben, dass es Anfang der 60ziger Jahre Überlegungen gab, mit Bastelbücher und mit der Entwicklung von Plastik-Modellbogen, den Bereich Modellbau auszubauen. Die Einführung von Basteltüten stand ebenfalls zur Disposition. Die Einführung der Metallfolie im Kartonmodellbau erwies sich als Zufall und als Problem in der weiteren Herstellung von Modellbögen. Auf der einen Seite bescherte es die Möglichkeit, anspruchsvolle Präsentationsmodelle zu gestalten. Auf der anderen Seite gab es enorme Probleme bei der Herstellung und Sicherung der geplanten Tonnagen an Papier/Karton mit Alufolie (Metallfolie). Warum trotz dieser bekannten Probleme, über einen längeren Zeitraum, an der Herstellung von Karton mit Alufolie (Metallfolie) festgehalten worden ist, erschließt sich mir nicht. Der Kranich-Modellbogen des Großhubschraubers Mi-6 steht an vorderster Stelle, wenn es um die Mängel in der Kartonqualität mit der Alufolie geht. Um das Problem der Herstellung zu verdeutlichen, habe ich eine Darstellung aus einer Direktionsberatung des Verlages aufgeschrieben, der den organisatorischen Aufwand bei der Herstellung des Karton mit der Alufolie (Metallfolie) widerspiegelt:

Zum Druckablauf: (Karton mit Metallfolie) 

- Das geplante und vorbereitete Papier wird in die Druckerei nach Merseburg gebracht, um kaschiert und gerollt zu werden. 

- Von der Druckerei in Merseburg wird es dann in die Druckerei nach Leipzig verbracht, um dort das Quer- und Formatschneiden durchzuführen. 

- Von Leipzig wird das Papier in die Druckerei nach Neuruppin gebracht, wo die Folienteile, Kartonteile und Umschläge gedruckt werden. 

- Danach kommt alles wieder in die Druckerei nach Berlin zurück, um buchbinderisch weiter verarbeitet zu werden. Daraus lässt sich auch ableiten, dass die bekannt gewordenen Fehler in der Zusammenstellung von einzelnen Modellbogen, ursächlich in der Druckerei Berlin bzw. der Druckerei in Neuruppin entstanden und von dieser zu verantworten sind.  

Man kann zusammenfassend einschätzen, dass es permanente Probleme in der Bindung von Kapazitäten sowie in der Materialbereitstellung (Karton mit Alufolie) bei der Herstellung der Modellbogen gab. Viele Modellbaufreunde vertreten den Standpunkt, dass die Entwicklungen im Plastik-Modellbau dafür sorgten, dass der Kartonmodellbau an Attraktivität und Resonanz bei den Modellbaufreunden verlor. Sicherlich wird dieser Umstand bei einigen Verantwortlichen des Verlages in der Direktion eine Rolle gespielt haben, aber eine verbesserte Führung dieser Abläufe, hätte die weitere Gestaltung des Kartonmodellbaus anders aussehen lassen können.

Die Gestaltung von Bastelmagazinen und Basteltüten, standen bei der Planung und Herstellung der Modellbogen ganz „Oben“ auf der Rangliste. Leider ließen sich in der Vielfalt der angestrebten Inhalte, keine Größenordnungen erreichen, welche man gerne erreicht hätte. Ich glaube nicht, dass sich Ideen und Einfälle, bei der Konstruktion und Zusammenstellung der Inhalte, für die Bastelmagazine und Basteltüten planen lassen. Bei der Herstellung der Basteltüten gab es auch eine weitere Besonderheit, die einfach darin bestand, dass die Strafjustiz-Vollzugsanstalt in Bautzen, bei der inhaltlichen Ausgestaltung der Basteltüten einbezogen war. Das heißt, alles was inhaltlich für die Basteltüte bestimmt war, wurde von den dort tätigen Strafgefangenen teilweise angefertigt und in die Tüten hineingepackt. Nach heutiger Leseart, waren diese Strafgefangenen in Bautzen alles Opfer des Unrechtregimes DDR und es fällt mir schwer zu glauben, dass diese Insassen, mit hoher Fachkompetenz und engagiert an diese Aufgaben herangegangen sind.

 

Vertrieb

Hier dachte ich im ersten Moment meinen Augen nicht zu trauen, als ich lesen musste, dass sich der Groß- und Buchhandel der DDR sowie der Post- und Zeitschriftenvertrieb anfänglich weigerte, die hergestellten Modellbogen zu verkaufen. Das musste ich mir erstmal auf der Zunge zergehen lassen! 

Durch großen Druck von „Oben“ (kennen wir als gelernte DDR-Bürger ganz gut) konnten dann die bekannten Vertriebsformen gestaltet werden. Der Versandhandel in Leipzig und Karl-Marx-Stadt übernahmen Vertriebsaufgaben und der Post- Zeitungsvertrieb ebenso. Für die Post ergab sich das Problem der Streuung, was bis zum Ende des Erscheinens dieser Modellbogen als Problemstellung bei der Post bestehen blieb. Eine fachgerechte Bedarfsermittlung für die einzelnen Regionen, wäre eine sinnvolle analytische Arbeit gewesen und hätte Abhilfe leisten können. Das Problem Warenstreuung, war in der Tätigkeit des Großhandels der DDR ein generelles Problem und hielt sich hartnäckig bis in das Jahr 1989.

Wie ich bereits in einem Beitrag erwähnte, war für mich der Erwerb von Kranich-Modellbögen meist durch die Teilnahme am Betriebskinderferienlager sowie durch Bekanntheit meiner Person bei Postangestellten eines Zeitungskioskes in meiner Heimatstadt gesichert. 

 

 

5.  Strukturveränderungen im Verlag 1969 / 1970

In Auswertung der 8. Tagung des Staatsrates und den daraus resultierenden Beschlüssen des Ministerrates der DDR aus dem Jahr 1969, erfolgte eine Veränderung in der Verlagsstruktur des Verlages „Junge Welt“.

Einer vorliegenden Beschlussvorlage der Verlagsdirektion entsprechend, wurde die Arbeits- und Organisationsstruktur des Zeitschriftenverlages „Junge Welt“ verändert. Daraus ergaben sich für den Bereich Modellbogen neue Arbeitsstrukturen. Die bis dahin geführte Redaktion „MODELLBOGEN“ verschwand und wurde durch ein Lektorat „Buch und Modellbogen“ ersetzt. Personell sollte dieses Lektorat durch einen Cheflektor mit Sekretärin geführt werden. Damit enden auch alle weiteren Angaben über Aktivitäten und personelle Besetzungen dieses Lektorates und die in der Redaktion „MODELLBOGEN“ tätig gewordenen Personen.

In einer weiteren Direktionsvorlage des Verlages, wird die Entwicklung der Modellbogen-Produktion unter dem Protokollpunkt 4.4. analysiert und einer sehr kritischen Bewertung unterzogen. Unter dem Protokollpunkt 7.12. wird kein deutlicher Qualitätsfortschritt bei den Alufolie Bögen konstatiert und der Bastelbogen „Modernes Bauen“ wegen seiner inhaltlichen Qualität kritisiert. Es werden rückläufige Verkaufszahlen und rückläufiges Interesse, verbunden mit fehlenden analytischen Aussagen festgehalten.

In den Unterlagen wird ab 1969/1970 keine klare Zuordnung des Themas Modellbogen erkennbar, weder personell noch in der Zuordnung der Fachbereiche (Redaktionen / Lektorate). Die Werbung, Herstellung und der Vertrieb, werden als permanent bestehende Problemfelder bewertet. Diese Einschätzung kann man auch im ausgewiesenen Impressum von Modellbögen nachvollziehen, welche in dieser Zeitspanne publiziert worden sind.

Da der Verlag „Junge Welt“ auch über einen gesonderten Buchverlag verfügte, vermute ich jetzt an dieser Stelle, dass alle weiteren Aktivitäten des Lektorates sowie die personelle Struktur auch in diesen Buchverlag gelandet sind. Einzelne Modellbogen aus dieser Zeit, haben im Impressum bereits ein anderes Logo und den Vermerk „Buchredaktion“ als Herausgeber. Dieser Buchverlag des Verlages "Junge Welt", ging leider über die Treuhandanstalt in den 90ziger Jahren an den Tessloff-Verlag in Nürnberg. Der Tessloff-Verlag verfügt auch über das Archiv des Buchverlages des Verlages "Junge Welt".

Laut mir vorliegender schriftlicher Auskunft des Tessloff-Verlages, besteht momentan keine Möglichkeit der Einsichtnahme von Archivdokumenten des Buchverlages des Verlages "Junge Welt". Eine weitere Strukturveränderung folgte!

 

 

6.  Strukturveränderungen im Verlag 1975 / 1976

Mit dieser Strukturveränderung des Verlages, ist die redaktionelle und personelle Zuordnung des bisherigen Lektorates „Buch und Modellbogen“ nicht mehr vorhanden. In einer Vorlage Nr. 16/1975 „Technische Konzeption für die Publikationen des Verlages bis 1980“ erscheint unter dem Gliederungspunkt 3. Technische Konzeption der Buch- und Bastelbogenproduktion, die angedachte Weiterführung der Bastelbogenproduktion in zwei Arten ihrer Ausführung bzw. Gestaltung:

1. Bastelbogen aus Karton bzw. Metallfolie mit Umschlag.

2. Basteltüten aus Papier mit Einlagen / die aus Karton, verschiedenen Materialien und Gegenständen bestehen.

Damit enden alle Aussagen in den eingesehenen Dokumenten zum Thema Modellbogen. Anhand der herausgegebenen Modellbogen und den Angaben im Impressum, lassen sich gerade ab den 70iger Jahren, bestimmte hier benannte Veränderungen nachvollziehen.

 

 

7.  Zusammenfassung  (des bisherigen Erkenntnisstandes)

Über die Geschichte des Kartonmodellbaus in der DDR ist einiges schon publiziert und öffentlich debattiert worden. Die Geschichte des DDR Kartonmodellbaus, soll von mir auch nicht neu geschrieben oder anderweitig interpretiert werden. Ich möchte in der weiteren öffentlichen Debatte versachlichende Argumente und neue erhellende Erkenntnisse vermitteln bzw. einbringen. Jeder Modellbaufreund, der diese Zeitspanne bewusst erlebte, wird mit seinen ganz eigenen Erinnerungen sich dieses Themas zu wenden. Egal, ob alle Aspekte dabei berücksichtigt oder durch den zeitlichen Abstand schon etwas verblasst sind.

Ich hatte Eingangs festgestellt, dass der Ideengeber und Wegbereiter der Entstehung und Entwicklung des Kartonmodellbaus in der DDR, das Ministerium für Volksbildung war. Es galt in der DDR als ein gesamtgesellschaftliches Anliegen, wenn es darum ging, Kindern und Jugendlichen ein sinnvolles Dasein zu ermöglichen. Dazu gehörten u. a. die Kinderzeitschriften und Presseerzeugnisse, die diesem Anliegen dienen sollten. Mit dem Erscheinen der Kinderzeitschrift „Fröhlich sein und singen“, kurz „Frösi“ genannt, entstanden Ideen und Überlegungen, diese Zeitschrift inhaltlich mit interessanten Beilagen auszugestalten. Dabei standen der Redaktion für diese Zeitschrift, kompetente und engagierte Mitarbeiter zur Verfügung. Zwei von diesen Mitarbeitern waren Werner Zorn und Klaus Friedrich.

Im Laufe der Anfangsjahre gestalteten sich ihre Modell- bzw. Bastelbeilagen als die Höhepunkte, wenn die Kinderzeitschrift „Frösi“ monatlich erschien. Da die Modellkonstruktionen anfänglich als Auftragsprojekte vergeben wurden, waren die Typenauswahl bereits vorgegeben. Die Qualität und Quantität der Modellkonstruktionen entwickelte sich ebenfalls im schnellen Tempo, so dass sie nicht mehr als einzelne Modell- und Bastelbeilagen für die Kinderzeitschrift Verwendung fanden, sondern als eigenständige Modellbogen erschienen. Die Ausschneidebogen erblickten in diesen Zusammenhang das Licht der Welt. Damit ergaben sich natürlich gleich ganz andere Probleme, die da hießen, wie soll eine weitere Bewerbung aussehen, wie die Herstellung und der Vertrieb gesichert werden. Und nicht zu vergessen, mit welcher Auflagenstärke soll gearbeitet werden. Im Mittelpunkt stand dabei, die ausreichende Betreuung des Feriendienstes, der an Schulen und betrieblichen Ferieneinrichtungen durch den Zeitschriftenverlag „Junge Welt“ abgedeckt werden sollte. Diese Betreuungsfunktion zieht sich wie ein roter Faden über den gesamten Zeitraum, wenn es um die Entwicklung des Modellbaus und insbesondere des Kartonmodellbaus in der DDR geht. Aber auch Fragen der Rentabilität standen von Anbeginn im Mittelpunkt dieser Entwicklungsarbeit. Positiv bleibt zu vermerken, dass die Redaktion „MODELLBOGEN“ mit Gewinn gearbeitet hat und dieses in den Archivunterlagen nachvollzogen werden kann.

Der verfügbare Personalbestand bei den Konstrukteuren entwickelte sich anfänglich stabil und erfasste bis in die 60ziger Jahre hinein ca. 17 bis 20 Personen. Dabei sind die Konstrukteure, welche nur in den 50ziger Jahren aktiv dabei waren wie Ralf Hartkopf, Gerhard Böhme, Hartwig Habelmann, Klaus Kohlhoff, Helmut Kühnert, Henry Weise, Herbert Gradi und Werner Kopka nicht berücksichtigt. Was die berufliche Qualifikation der Konstrukteure betrifft, ist selbst in den Archivunterlagen wenig Bekanntes erfasst. Bei Herbert Thiel und Gerhard Stieff sowie einigen anderen Konstrukteuren, werden als Beruf Grafik-Designer angegeben. Soweit ich recherchieren konnte, war Helge Bergander der einzige Akademiker mit einem Ingenieurstudienabschluss unter den Konstrukteuren (Bin mir mit dieser Aussage aber nicht sicher, ob sie so formuliert Bestand haben wird. ???). Er war viele Jahre an der Technischen Universität Dresden im Rahmen einer Professur tätig. Einige Konstrukteure waren nicht nur im Rahmen der Redaktion „MODELLBOGEN“ aktiv, sondern auch in anderen Verlagshäusern, welche sich mit dem Thema Modellbogen beschäftigten. Die Tätigkeit als Konstrukteur erfolgte ehrenamtlich und mit Vertragsabschluss, wenn eine Modellkonstruktion in Auftrag gegeben worden ist. Dabei sollte auch ein Planungsvorlauf von einem Jahr bis zu eineinhalb Jahre pro Modellbogen und Modellkonstruktion eingehalten werden, um eine verbesserte Planungsübersicht zu erreichen.

Bei den Modellkonstruktionen sollten zwei Grundsätze weitere Beachtung finden:

1. Die Modellkonstruktion von Funktionsmodellen.

2. Die Modellkonstruktion von Präsentationsmodellen.

Zu beachten war! Seit Anfang bzw. Mitte der 60ziger Jahre, war die Publikation eines Bastelbuches sowie eines „Plaste-Modellbogens“ permanent im Gespräch. Bei der Redaktion „MODELLBOGEN“ sowie auch in übergeordneten Leitungsebenen, wurde regelmäßig über den Stand der Entwicklung berichtet.

Zusammenfassend kann man sagen, das der Kartonmodellbau in der DDR keine herausragende Rolle oder Stellung einnahm, sondern mit seiner Entstehung und Entwicklung, eine Bereicherung für die sinnvolle Freizeitgestaltung bei Kindern und Jugendlichen sowie auch den Erwachsenen angestrebt worden ist. Mittel und Möglichkeiten waren hierfür vorhanden und auch Personal, was in diesen Bereich des gesellschaftlichen Lebens in der DDR, sehr engagiert tätig geworden war. Für Sammler steht nach wie vor die offene Frage, wo kann eine chronologische Übersicht, über alle veröffentlichten Publikationen für diesen ganz konkreten Bereich, eingesehen werden. Diese Frage und Überlegung, muss aus jetziger Sicht mit „… nicht möglich“ oder „… nicht realisierbar“ beantwortet werden. Da ich noch mit dem Tessloff-Verlag im Gespräch darüber bin, ob eventuelle Arbeitsunterlagen der Redaktion „MODELLBOGEN“ oder des Lektorates „Buch und Modellbogen“ im Archiv erfasst sind, können keine abschließenden Fakten genannt oder formuliert werden. Mit dem Bundesarchiv prüfe ich das Vorhandensein weiterer Unterlagen, da ich auf andere Themen- und Stichwörter aufmerksam geworden bin. Damit möchte ich sagen, dass die Recherche im Bundesarchiv noch nicht abgeschlossen ist. Soweit es mein Zeitrahmen zulassen wird, werde ich im Monat April/Mai wieder im Bundesarchiv aktiv.

Aus der präsentierten Übersicht zum Verlag „Junge Welt“, wird mit den erfolgten Veränderungen in der Verlagsstruktur sichtbar, wie sich der Kartonmodellbau aus der öffentlichen Wahrnehmung langsam zurückzog. Mit dem Ende der Tätigkeit der Redaktion „MODELLBOGEN“ Ende der 60ziger bzw. Anfang der 70ziger Jahre, erfolgte ein regelrechter Bruch was die Qualität und Quantität der Modellkonstruktionen und Typenauswahl betraf. Die Entwicklung des Plastik-Modellbaus in der DDR bot anfänglich eine Alternative zum Kartonmodellbau, glänzte aber nicht gerade mit herausragenden Bausätzen, so dass Länder wie Polen und die CSSR auf bessere Abläufe und Ergebnisse verweisen können. Die Typenauswahl im Plastik-Modellbau der DDR beschränkte sich hauptsächlich auf Flugzeugmodellbausätze und Raumfahrttechnik. Schiffsmodellbausätze waren überhaupt nicht präsent, dafür aber im sowjetischen Plastikmodellbau. In der Sowjetunion entstanden Schiffsmodellbausätze wie der Atomeisbrecher LENIN und ARKTIKA sowie eine Vielzahl an Panzermodellen, welche mit Fernsteuerungstechnik komplettiert werden konnten. Manche Bausätze waren gleich mit Motoren und Steuerungstechnik ausgestattet.

Als Fazit für den DDR Kartonmodellbau bleibt die Feststellung, dass eine positive Entwicklung hinsichtlich der Typenauswahl und der Modellkonstruktionen erreicht werden konnte, aber eine langfristige und kontinuierliche Entwicklung nur über einen zeitlich begrenzten Zeitraum möglich war. Die anfänglich optimistisch stimmenden Ergebnisse und Aktivitäten, erreichten in den 60ziger Jahren ihren Höhepunkt. Die sehr ehrgeizig gesteckten Ziele, fanden in den 70ziger und 80ziger Jahren keine Fortsetzung. Welche einzelnen Gründe dafür verantwortlich zeichnen, könnte über eine etwas ausführlichere Studienarbeit analysiert werden. Die genannten Probleme bei der Planung, der Herstellung und des Vertriebes waren keine unlösbaren Probleme. Der Plastikmodellbau war mit seinem Einzug und Entwicklung eine Bereicherung des Modellbaus Allgemein. Die Entwicklung, die es im Freizeitbereich bei Kindern und Jugendlichen gab, sollte ebenfalls nicht unberücksichtigt bleiben. Technische Entwicklungen und ihre Ergebnisse haben Auswirkungen auf das Leben der Menschen und verändern auch das Interesse beim Menschen für bestimmte Themen. Siehe die heutige Kommunikationstechnik und den damit einhergehenden Veränderungen im Verhalten von Menschen. Es ist heute einfacher auf die Menschen zu achten, die ohne Handy in der Hand unterwegs sind, als umgekehrt. Viele Modellbaufreunde werden mir zustimmen, dass das Interesse am Kartonmodellbau weiter rückläufig ist und sich zunehmend auf eine bestimmte Altersgruppe zu beschränken scheint. Auf Modellbauausstellungen wird dieser Entwicklungstrend immer wieder sichtbar. Es scheint so, als wenn das gesellschaftliche Interesse für den Kartonmodellbau, kaum noch vorhanden ist. Für viele Modellbaufreunde, welche in Clubs und Vereinen organisiert sind, ist es einfach deprimierend feststellen zu müssen, wenn ihre Vorschläge zum Freizeitbereich an oder in Schulen, von diesen abgewiesen werden. Das Internet mit seinen umfangreichen Möglichkeiten in der Kommunikation, scheint heute der Bereich zu sein, wo Menschen ansprechbar sind und auch die Bereitschaft mitbringen, sich ansprechen zu lassen. Ich hoffe, es wird sich die Erkenntnis irgendwann durchsetzen, dass diese heutige Kommunikationstechnik und Sozialmedien eine veränderte Stellung einnehmen und eine veränderte Nutzung erfahren werden.

 

Quelle Bilder und Text       Bundesarchiv / Modellbaufreunde Ulrich Günscht und Lothar Schlüter

Berlin,   26. April 2019     Lothar Schlüter 

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